Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen

Um auf den erheblichen Rückgang der Nutzpflanzenvielfalt in Deutschland aufmerksam zu machen sowie um Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen zu unterstützen, wurde die Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland erstellt. Die Rote Liste soll alle Artengruppen von einheimischen Nutzpflanzen und deren Sorten, Landsorten und Varietäten umfassen, die in Deutschland an lokale Bedingungen angepasst und von Bedeutung waren.

Für den GAK-Fördergrundsatz „Erhaltung genetischer Ressourcen in der Landwirtschaft“ und für die Erhaltungssortenverordnung dient die Rote Liste darüber hinaus als Referenzwerkzeug.

Die Rote Liste basiert auf den Empfehlungen des Beratungs- und Koordinierungsausschusses (BEKO) des Fachprogramms zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen und wird beim IBV der BLE geführt.

Weiterführende Informationen

Historisch genutzte Gemüse – Listen und Beschreibungen

Für die Erarbeitung einer wissenschaftlich fundierten Datengrundlage für den Gemüsebereich der Roten Liste wurde das Forschungsvorhaben „Weiterentwicklung der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen für Gemüse“ von der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt. (Das Projekt läuft noch bis November 2016. Eine vollständige Datenveröffentlichung erfolgt erst nach Projektende).

In dem Forschungsvorhaben wurde eine repräsentative Auswahl deutscher Saat- und Pflanzgutkataloge aus dem Zeitraum zwischen 1840 – 1950 gesichtet und auf dieser Grundlage Sortenbeschreibungen erstellt. Die Sortenbeschreibungen enthalten Informationen über den Sortennamen, Synonyme, eine historische Sortenbeschreibung anhand wichtiger Merkmale, Herkunft, Züchter und Jahr der Züchtung sowie Angaben über besondere Kultur- und Nutzungsmerkmale. Ab Frühjahr 2017 werden außerdem aufbereitete Abbildungen der Sorten aus dem historischen Quellenmaterial vorliegen.

Dadurch konnte erstmals eine umfassende und fundierte Übersicht über das genutzte Sortenspektrum in dem Zeitraum zwischen 1840 und 1950 erstellt werden, für den in Deutschland das Maximum der genetischen Vielfalt bei Gemüse angenommen wird.

Darüber hinaus werden die ermittelten Sortennamen aus der Literatur in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Identifikation von Sorten, die die Kriterien für die Aufnahme auf die Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen erfüllen,
  • Identifikation von Sorten, die eine Sortenzulassung besitzen (Traditionssorten, inklusive Erhaltungs- und Amateursorten),
  • Identifikation von Sorten, die förderfähig für die Sortenerhaltung gefährdeter heimischer Nutzpflanzen im Sinne der GAK G.1.0 Ziffer 1.2.1.b) sind,
  • Identifikation von Sorten, die als verschollen angenommen werden müssen, da keine Saatgutverfügbarkeit in einer europäischen Genbank oder bei einer europäischen Saatgutinitiative nachgewiesen werden konnte.

Zur Suche

Folgende Definitionen werden verwendet:

Sortengruppe

Unter einer Sortengruppe werden alle Literaturfunde gesammelt, die auf Basis ihrer Beschreibungen als identisch angesehen werden können.

Rote Liste der gefährdeten einheimischen Gemüse

Auf dieser Liste werden Gemüsearten, -varietäten und –sorten gelistet, die einen deutschen Ursprung oder einen soziokulturellen Bezug zu Deutschland besitzen, die seit mindestens 2 Jahren keine Sortenzulassung und keinen Sortenschutz besitzen und für die Saatgut verfügbar ist.

Erhaltungssorten und Amateursorten

Durch die „Verordnung über Erhaltungssorten und ihre Aufzeichnung“ vom 21. Juli 2009 – und deren Ergänzung vom 5. November 2010 – wird die Zulassung von so genannten Erhaltungssorten landwirtschaftlicher Arten sowie von Erhaltungs- und Amateursorten von Gemüsearten ermöglicht. Damit können Landsorten, Hofsorten und andere traditionell an besonderen Orten oder in besonderen Regionen angebaute Sorten als Erhaltungssorte zugelassen werden. Gemüsesorten können als Amateursorten zugelassen werden, wenn sie „an sich ohne Wert für den Anbau zu kommerziellen Zwecken“ sind, jedoch geeignet erscheinen, die genetische Vielfalt im Hobby- und Kleingartenbau zu erweitern.

GAK-Sorten förderfähig für die Sortenerhaltung gefährdeter heimischer Nutzpflanzen im Sinne der GAK G.1.0 Ziffer 1.2.1.b)

Der Rahmenplan 2015 der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) umfasst in Förderbereich 4 (Markt- und standortangepasste Landbewirtschaftung) die Maßnahmengruppe G (Erhaltung der Vielfalt der genetischen Ressourcen in der Landwirtschaft). In dieser Maßnahmengruppe G ist zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen der landwirtschaftliche Anbau und die Sortenerhaltung gefährdeter heimischer Nutzpflanzen möglich. Im Falle einer Förderung der Sortenerhaltung (1.2.1 b) ist die Sorte, sofern nicht bereits geschehen, innerhalb des Förderzeitraums als Erhaltungssorte beim Bundessortenamt zuzulassen. In der o.g. Liste werden Gemüsearten aufgelistet, die bereits als Erhaltungssorten zugelassen sind und somit unmittelbar für diese Förderung in Frage kommen.

Traditionssorten

Sind heute zugelassene Sorten, die bereits in der Literatur zwischen 1840 und 1950 erwähnt wurden.

Weiterführende Informationen zur Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen.