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Artenvielfalt im Gartenbau

Artenvielfalt im Gartenbau

Obwohl Garten- und Obstbauprodukte flächenmäßig in Bezug auf die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche nur eine geringe Rolle spielen, tragen sie überproportional zur Arten- und Sortenvielfalt in der deutschen Landwirtschaft bei. Anders als die meisten Ackerkulturen werden Gemüse, Obst sowie Arznei- und Gewürzpflanzen zudem auch in privaten Gärten angebaut. Da hierbei der Erwerbsgedanke oft nicht im Vordergrund steht, finden hier noch traditionelle regionaltypische Sorten Verwendung. Privatgärtner leisten damit wertvolle Beiträge zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.

Eine für die biologische Vielfalt insgesamt und die Agrobiodiversität gleichermaßen sehr bedeutende Anbauform ist der Streuobstanbau. Diese extensive Bewirtschaftungsform spielt im Erwerbsobstbau keine Rolle mehr. Die Erträge aus Streuobstwiesen, die als Wirtschaftsobst z. B. in Keltereien genutzt werden, werden nur auf die Hälfte des Ertrages des Marktobstbaus geschätzt. Streuobstwiesen prägen aber für die biologische Vielfalt wertvolle Kulturlandschaften besonders in Südwestdeutschland.

Die genetische Vielfalt der gartenbaulich genutzten Arten ist riesig und brachte in der Vergangenheit eine enorme Sortenvielfalt hervor. Trotz einer großen Zahl an staatlichen und privaten Sammlungen, die in den letzten 100 Jahren entstanden sind und die sich um den Erhalt der Vielfalt der gartenbaulichen Kulturen bemühen, muss ein Großteil der früher existierenden Vielfalt heute als verloren angesehen werden.

Obstbau

Im Laufe von Jahrhunderten sind in Deutschland viele tausend Obstsorten entstanden. Ein beträchtlicher Teil davon konnte auf Streuobstwiesen bis in die heutige Zeit gerettet werden, doch diese Vielfalt ist sehr gefährdet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Streuobstflächen werden in Bauland umgewandelt, auf anderen sterben die Bäume ab, weil sie zu alt sind oder die notwendige Pflege nicht mehr gegeben ist.

Mit dem Rückgang der Streuobstflächen sind viele alte Obstsorten in ihrem Bestand gefährdet. Von einigen Bäumen sind nur noch vereinzelte Bäume bekannt und wenn sie sterben, ist diese spezielle Obstsorte für immer verloren.

Gemüsebau

Der Selbstversorgungsgrad der deutschen Landwirtschaft mit Gemüse liegt aktuell bei knapp 40 %. Der Großteil des in Deutschland verzehrten Gemüses kommt aus anderen Ländern der EU. Dabei ist die in Deutschland im Laufe von Jahrhunderten entstandene Gemüsevielfalt enorm. Eine von BMEL in Auftrag gegebene Erfassung der in Deutschland entstandenen Gemüsesortenvielfalt führte zu dem Ergebnis, dass alleine in dem Zeitraum von 1840 – 1950 weit über 4.000 verschiedene Gemüsesorten in Deutschland genutzt wurden.

Von dieser früher verfügbaren Sortenvielfalt findet sich heute kaum noch etwas im Supermarktregal. Die räumliche Trennung von Saatguterzeugung, Anbau und Verbrauch steht in engem Zusammenhang mit dem Verlust an Kenntnissen hinsichtlich des Anbaus und der Verarbeitung lokaler Pflanzenarten.

Zierpflanzen

Mit circa 40.000 Sorten besitzt Deutschland ein riesiges Zierpflanzensortiment. Als lebendiges Kulturerbe sind Zierpflanzen nicht nur wertvoll, ihre Vielfalt und Schönheit ist eine Bereicherung in Haus und Garten. Da Zierpflanzen aber keine Funktion in der Ernährungssicherung besitzen, ist ihr Angebot starken Geschmacks- und Modeströmungen unterlegen und der Erhaltung ihrer genetischen Vielfalt wird häufig keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Die große Zahl der in Deutschland ansässigen Zierpflanzenzüchter ist aber auf einen großen Pool an zierpflanzengenetischer Ressourcen angewiesen, um weitere Züchtungsfortschritte erzielen zu können.

Neben den kommerziellen Züchtungs-, Vermehrungs- und Handelsbetrieben existiert eine Vielzahl von Liebhabergesellschaften und privaten Züchtern, die sich um die Erhaltung und Erweiterung der Vielfalt bemühen. In Deutschland umfasst allein die private Gartenfläche rund 930.000 ha. Jeder zweite Privathaushalt verfügt über einen Garten. Damit haben Gärten über ihre sozialen und Nutzfunktionen hinaus ein erhebliches Potenzial für die biologische Vielfalt. Dieses kann sich besonders dann entfalten, wenn sie umweltschonend bewirtschaftet, Pflanzen standortgerecht verwendet, auf invasive Pflanzen verzichtet und Arten und Sorten in die Gestaltung einbezogen werden, die über ihren Zier- oder Nutzwert hinaus eine ökologische Funktion erfüllen.