On-farm-Bewirtschaftung

Nach der Definition des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) stellt die On-farm-Bewirtschaftung einen Spezialfall der In-situ-Erhaltung dar, bei dem pflanzengenetische Ressourcen im Rahmen einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Nutzung erhalten und weiterentwickelt werden. Dieses Konzept stammt ursprünglich aus Entwicklungsländern, wo seine Bedeutung im Hinblick auf die Erhaltung und Verbesserung von Landsorten auf der Hand liegt. Die Notwendigkeit einer On-farm-Bewirtschaftung in Ländern wie Deutschland mit einer stark arbeitsteiligen Landwirtschaft, in dem herkömmliche Landsorten weitgehend von den Feldern der Bauern und aus den Gärten verschwunden sind und Saatgut von leistungsfähigen Zuchtsorten leichter verfügbar ist, ist dagegen weniger deutlich.

In der Landwirtschaft und im Gartenbau konzentriert sich zunehmend weltweit der Anbau, hauptsächlich aufgrund der vorherrschenden Wettbewerbsbedingungen, auf wenige Fruchtarten. Auch die Pflanzenzüchtung setzt ihren Schwerpunkt wegen fehlender Wertschöpfung oder Nachfrage auf ökonomisch interessante Kulturarten. Wenn Züchtungsprogramme nicht weitergeführt werden, ist auch ein Verlust der genetischen Vielfalt zu erwarten.

Durch die On-farm-Bewirtschaftung könnten auch Nutzpflanzen, die durch die Züchtungswirtschaft nicht züchterisch bearbeitet werden, Anbaubedeutung erlangen. Damit kann die On-farm-Bewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt von Kulturpflanzen und deren innerartlicher Vielfalt leisten. Unmittelbar damit verknüpft ist eine mögliche Erweiterung des Lebensmittelangebots und somit einer vielfältigen und abwechslungsreichen Ernährung oder die innovative Nutzung von Pflanzen, z.B. für technische oder energetische Zwecke. Wenn es gelingt, den Anbau heimischer, von genetischer Erosion bedrohter Kulturpflanzen durch entsprechende Fördermaßnahmen und durch entsprechendes Ernährungs- und Nachfrageverhalten der Verbraucher und Verbraucherinnen für Landwirte wieder attraktiv zu gestalten, könnten sich hier neue Nischenmärkte entwickeln.

Als wichtige Ziele der On-farm-Bewirtschaftung in Deutschland sind zu nennen:

  1. die Erhöhung der Artenvielfalt,
  2. die Erhöhung der Sortenvielfalt bei vernachlässigten Kulturpflanzen,
  3. die Erhöhung der genetischen Vielfalt,
  4. die Erhaltung von historisch bedeutsamen Kulturpflanzen und Bewirtschaftungsformen,
  5. die Verbreitung und Pflege von Wissen und praktischen Fertigkeiten,
  6. und die Erhaltung von Nischenmärkten für regionale Produkte.

In PGRDEU liegen z.Z. folgende Daten über den Anbau von bedrohten, regionalen Kulturpflanzensorten in Deutschland vor:

  • Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland 2007-2009
  • Anbaudaten regionaler ackerbaulicher Kulturpflanzensorten aus den Länderprogrammen einzelner Bundesländer
  • Anbau- und Saatgutvermehrungsflächen aktuell genutzter Arten und Sorten