Beobachtungen zu Wildpflanzen

Die Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen in-situ beinhaltet die Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung (z.B. in Schutzgebieten).

Die in PGRDEU recherchierbaren Daten stammen aus abgeschlossenen Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich der Erhaltung und innovativen Nutzung der Biologischen Vielfalt, aus ausgewerteten Publikationen, aus dem europäischen Suchkatalog für pflanzengenetische Ressourcen (EURISCO) und aus Kartierungen, die im Rahmen der FFH-Richtlinie vorgenommen wurden. Die Datenquellen werden im Folgenden kurz beschrieben.


Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich der Erhaltung und innovativen Nutzung der Biologischen Vielfalt

Aufbau eines Berichts- und Monitoringsystems für die In-situ-Erhaltung genetischer Ressourcen den Kulturpflanzen verwandter Wildarten (Crop Wild Relatives - CWR) in Brandenburg (2007 - 2010)

Das Vorhaben zielte darauf ab, die Erhaltung, Förderung und nachhaltige Nutzung von In-situ-Ressourcen von Pflanzen durch eine transparente Dokumentation und Information zu unterstützen. Im Fokus der Erfassung standen die mit den Kulturpflanzen verwandten Wildarten (Crop Wild Relatives - CWR).

mehr

Es sollte ein modellhaftes Berichts- und Monitoringsystem für Brandenburg entwickelt werden, welches später auch auf andere Bundesländer übertragen werden kann. Damit wurde eine langfristige Datengrundlage für nationale und internationale Berichtspflichten geschaffen.

Projektpartner waren die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich für Wald und Umwelt in Kooperation mit dem Landesumweltamt Brandenburg und dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde.

In dem Projekt wurden insgesamt Daten zu 1,8 Mio. Vorkommen von Pflanzenarten, davon ca. 700.000 Beobachtungen von wildlebenden Verwandten der Kulturpflanzen, mit umfangreichen Beschreibungen in einer Datenbank erfasst. Diese Daten sind nun über PGRDEU recherchierbar.


Überlebenssicherung der Wildrebe Vitis vinifera L. ssp. sylvestris C.C. Gmel. in den Rheinauen durch gezieltes In-situ-Management (2008-2013)

Das Projekt zur Überlebenssicherung der Wildrebe wurde vom WWF-Auen-Institut und dem Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) durchgeführt. In dem Projekt sollte die verbliebene Vielfalt der Wildreben über den Wiederaufbau überlebensfähiger, genetisch ausreichend vielfältiger Bestände an den natürlichen Standorten gesichert werden. Hierbei wurden erstmals alle bedeutsamen Erhaltungsfaktoren auf der gesamten Fläche berücksichtigt.

mehr

Die Erhaltung der genetischen Ressource „Wildrebe“ hat eine doppelte Bedeutung im Rahmen der Erhaltung der Biodiversität. Zum einen die Erhaltung einer gefährdeten und seltenen Wildpflanze, zum anderen die Erhaltung einer genetischen Ressource, die von Bedeutung für die Resistenz- und Qualitätszüchtung der Kulturrebe sein kann.

Im Rahmen des Projektes wurden die letzten in Deutschland existierenden Wildrebenstandorte identifiziert und charakterisiert. In dem Projekt konnten insgesamt 326 Wildreben aufgenommen werden. Davon sind 85 Wildreben auf Naturverjüngung zurückzuführen und 241 stammen aus Pflanzungen. Diese Individuen bilden unterschiedliche Gruppen und Populationen am Oberrhein zwischen Kaiserstuhl und Mannheim. Es gibt nur eine einzige Population, in der aktuelle Naturverjüngung festgestellt werden konnte. Sie befindet sich in Baden-Württemberg auf der Rheininsel Ketsch und umfasst 81 Individuen.

Die in PGRDEU bereit gestellten Daten liefern eine Beschreibung der im Projekt nachgewiesenen Populationen.


Daten aus dem Europäischen Suchkatalog für pflanzengenetische Ressourcen (EURISCO)

Der Europäische Suchkatalog für pflanzengenetische Ressourcen (EURSICO) liefert Informationen über Ex-situ-Genbanksammlungen in ganz Europa. Er umfasst derzeit Passportdaten von mehr als einer Million Muster pflanzlicher Vielfalt, die in ca. 240 europäischen Instituten in 38 Ländern aufbewahrt werden.

Zu den recherchierbaren Informationen zählt auch, wo ein bestimmtes Genbankmuster gesammelt wurde. Eine Abfrage nach deutschen Sammlungsmustern (Country of Origin = DEU/DDR) liefert indirekt Wuchsorte pflanzengenetischer Ressourcen in Deutschland. Diese Informationen sind in den In-situ-Teil von PGRDEU eingebunden worden.


Ausgewählte Publikationen

Aus ausgewählten wissenschaftlichen Arbeiten zu wilden Verwandten der Kulturpflanzen in Deutschland wurden Angaben zu den Standorten dieser Pflanzen übernommen und stehen in PGRDEU bereit. Die Inhalte der Publikationen werden im Folgenden kurz skizziert.

Drießen, S. (2003): Beta vulgaris subsp. maritima an Deutschlands Ostseeküste, Kartierung, genetische und physiologische Charakterisierung und ihre Rolle als Kreuzungspartner für transgene Zuckerrüben, Rheinisch Westfälische Technische Hochschule Aachen

mehr

Ziel der Untersuchung war es, die baltischen Populationen möglichst genau zu charakterisieren, um auf diese Weise Basisdaten zu generieren, auf deren Grundlage eventuelle ökologische Effekte transgener Kulturrüben gemessen werden können. In dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass sich B. vulgaris subsp. maritima im Laufe der letzten Jahre an der deutschen Ostseeküste etabliert hat und weiter auszubreiten scheint. 1997 wurden an fünf Standorten 62 Individuen kartiert, 2001 waren es 560 an 16 Standorten. Eine Auswertung von Temperaturdaten lässt darauf schließen, dass der Grund für diese Ausbreitung zunehmend wärmere Winter sein könnten. In PGRDEU liegen die Ergebnisse der Kartierungen aus dieser Arbeit vor.

Forwick, J., Wunder, J.,Wingender, R., Möseler, B. M., Schnabl, H. (2003): Morphometrische und molekularbiologische Erfassung und Untersuchung von Wildpflanzenpopulationen in Nordrhein-Westfalen als pflanzengenetische Ressourcen. Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn, Schriftenreihe des Lehr- und Forschungsschwerpunktes.

mehr

Zur Untersuchung der Variabilität von Wildpflanzenpopulationen in Nordrhein-Westfalen – als Grundlage zur Erstellung eines Schutzkonzeptes zur In-situ-Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen – wurden exemplarisch vier Arten ausgewählt und zwar der Kleinfrüchtige Leindotter (Camelina microcarpa ANDRZ.), der Echte Feldsalat (Valerianella locusta (L.) LATERR.), der Wiesen-Kümmel (Carum carvi L.) und der Hopfen (Humulus lupulus L.). Die Ergebnisse der Kartierungen sind in PGRDEU eingeflossen.

Boss-Burkhard, B. und T. Gladis (2000): Der Eschlauch in Deutschland – angepflanzt und vergessen, gesucht und wiedergefunden, Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN)

mehr

In mittelalterlichen Kräuterbüchern kann man Abbildungen einer Zwiebelpflanze finden, auf die keine der formalen und informellen Beschreibungen für die Verwandtschaft der Küchenzwiebel zutrifft. Sie ähnelt auch dem Schnittlauch (Allium schoenoprasum L.) nur sehr entfernt. Anfang der 1990er Jahre wurde an den Hängen des Neckartales, meist weiter oben in den Weinbergs-Terrassen eine Pflanze gefunden, die diesen Abbildungen bzw. Holzschnitten wie z.B. bei CAMERARIUS (1586) sehr nahe kommt und deren Aroma dem der Küchenzwiebel stark ähnelt. Um die gegenwärtige Verbreitung dieser interessanten, wenig bekannten Sippe zu erfassen, wurde in der regionalen Stuttgarter Zeitschrift \"BW agrar\" ein Aufruf veröffentlicht, dessen Ergebnisse nebst Unterscheidung der Sippen von Allium cepa L. in der Publikation vorgestellt und für PGRDEU aufbereitet wurden.